Erfahren Sie im Gespräch mit Benny Niederberger, wie ihn sein Weg vom Chemikanten und langjährigen Industriepraktiker zum Spezialisten für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz führte und worauf es bei einer nachhaltigen Sicherheitskultur und der erfolgreichen Umsetzung der Modelllösung ankommt.
Ich bin mit der Erwartung gestartet, mein praktisches Wissen aus der Industrie mit meiner Erfahrung im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in einem breiteren Umfeld einzubringen. Gereizt hat mich vor allem die Möglichkeit, Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen zu begleiten und gemeinsam nachhaltige Lösungen zu entwickeln.
Diese Erwartungen haben sich bisher voll bestätigt. Besonders begeistert mich, die enorme Abwechslung in meiner Arbeit. Ich bin an ganz unterschiedlichen Einsatzorten unterwegs, vom Industriebetrieb über Schulen und Altersheime bis hin zu Detailhandelsunternehmen – und das in der ganzen Schweiz. Dadurch erhalte ich Einblicke in die unterschiedlichsten Betriebe, Arbeitsweisen und Herausforderungen. Kein Tag ist wie der andere, und genau das macht die Arbeit so spannend. Nach rund 30 Jahren am gleichen Standort ist das für mich eine besonders bereichernde Veränderung.
Meine berufliche Laufbahn begann mit einer Ausbildung als Maler, bevor ich mich für eine zweite Ausbildung zum Chemikanten in der Pharmaindustrie entschied. Dort übernahm ich später während mehr als zwei Jahrzehnten Führungsverantwortung – Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz waren dabei ein zentraler Bestandteil meines Arbeitsalltags.
Zuletzt war ich Präsident der Personalvertretung im GAV-Bereich. In dieser Funktion war ich dank der im Unternehmen gelebten Mitwirkung eng in die Prozesse rund um Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz eingebunden. Dabei habe ich erlebt, wie viel man gemeinsam erreichen kann, wenn Führungskräfte, Mitarbeitende und Personalvertretung an einem Strang ziehen. Diese Erfahrungen haben meinen Wunsch verstärkt, mich beruflich ganz auf Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz zu konzentrieren. Mir war es wichtig, auch weiterhin etwas für die Menschen zu tun und dazu beizutragen, dass sie gesund und sicher arbeiten können.
Heute profitiere ich von der Kombination aus meiner langjährigen Führungs- und Praxiserfahrung sowie meinem Fachwissen im Bereich ASGS. Ich kenne die Herausforderungen aus eigener Erfahrung und weiss, dass gute Lösungen nicht nur den gesetzlichen Anforderungen entsprechen müssen, sondern sich auch im Arbeitsalltag bewähren und von den Mitarbeitenden mitgetragen werden müssen.
Die SUVA und die Arbeitsinspektorate nehmen eine wichtige Kontroll- und Vollzugsfunktion wahr. Unsere Aufgabe, beim Swiss Safety Center, ist eine andere: Wir verstehen uns als Partner der Unternehmen. Wir kommen nicht, um Mängel zu suchen, sondern um gemeinsam praktikable Lösungen zu erarbeiten, bevor es zu Unfällen oder Beanstandungen kommt.
Durch meine eigene Erfahrung in der Industrie weiss ich, dass Arbeitssicherheit nur dann nachhaltig funktioniert, wenn sie in den Betriebsalltag integriert ist und von den Mitarbeitenden und Führungskräften gelebt wird. Genau dabei unterstützen wir die Unternehmen – mit Fachwissen, Praxiserfahrung und einem Blick von aussen.
Unser Ziel ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen, die gesetzlichen Anforderungen verständlich umzusetzen und Lösungen zu entwickeln, die im Alltag funktionieren. Ein wichtiges Instrument dafür ist unsere Modelllösung. Sie unterstützt Unternehmen dabei, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz systematisch aufzubauen, Gefährdungen zu erkennen und wirksame Massnahmen nachhaltig im Betrieb zu verankern.
Die Modelllösung basiert auf der EKAS-Richtlinie 6508 und unterstützt Unternehmen dabei, die zehn ASA-Punkte systematisch und praxisnah umzusetzen. Sie bietet einen klaren Rahmen, um Gefährdungen zu erkennen, Risiken zu beurteilen, geeignete Massnahmen festzulegen und deren Wirksamkeit regelmässig zu überprüfen. So wird Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz nicht als Einzelmassnahme verstanden, sondern als kontinuierlicher Verbesserungsprozess.
Für Betriebe mit besonderen Gefährdungen schreibt die EKAS-Richtlinie 6508 eine systematische Umsetzung der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes vor. Unternehmen mit besonderen Gefährdungen und mehr als zehn Mitarbeitenden müssen nachweisen können, dass sie die gesetzlichen Anforderungen systematisch erfüllen. Die Modelllösung bietet dafür einen bewährten, praxiserprobten und rechtskonformen Rahmen.
Aus meiner Erfahrung werden vor allem zwei Dinge häufig unterschätzt. Zum einen die Bedeutung der Mitarbeitenden. Sie kennen ihre Arbeitsplätze und Abläufe am besten und sollten deshalb aktiv in den Prozess einbezogen werden. Zum anderen wird Arbeitssicherheit oft als einmaliges Projekt betrachtet. Tatsächlich muss sie im Arbeitsalltag gelebt und regelmässig an neue Prozesse, Arbeitsmittel oder organisatorische Veränderungen angepasst werden. Eine gelebte Sicherheitskultur entsteht nicht von heute auf morgen. Sie entwickelt sich über Jahre und braucht das Engagement der Geschäftsleitung, der Führungskräfte und der Mitarbeitenden gleichermassen.
Die grösste Herausforderung ist aus meiner Sicht, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz dauerhaft im Arbeitsalltag zu verankern. Gesetze, Richtlinien und technische Massnahmen sind wichtig – entscheidend ist aber, dass sie von den Menschen im Betrieb verstanden, akzeptiert und gelebt werden.
Dabei spielt die Unternehmenskultur eine immer grössere Rolle. Aus meiner Erfahrung erreicht man mit offener Kommunikation, gegenseitigem Vertrauen und einem coachenden Führungsverständnis oft mehr als mit einer rein hierarchischen Führung. Wenn Mitarbeitende ihre Anliegen einbringen können und ernst genommen werden, werden Risiken früher erkannt und gemeinsam gelöst.
Das wirkt sich nicht nur positiv auf die Arbeitssicherheit aus, sondern kann auch das Arbeitsklima und die psychische Gesundheit fördern. Wer sich wertgeschätzt fühlt und offen über Belastungen oder Unsicherheiten sprechen kann, arbeitet in der Regel sicherer und motivierter.
Ich bin überzeugt, dass eine nachhaltige Sicherheitskultur nur gemeinsam entstehen kann – durch das Engagement der Geschäftsleitung, der Führungskräfte und der Mitarbeitenden. Genau dabei möchten wir unsere Kundinnen und Kunden unterstützen.
Benny NiederbergerBenny Niederberger arbeitet seit April 2025 beim Swiss Safety Center im Team ASGS/IRM und ist als Spezialist ASGS FA tätig. |